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Warum Therapien bei Hufrollensyndrom, Spat und Arthrose oft scheitern

Autorenbild: Beate
Beate
27. Dez. 2025
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Sept.

Degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparats gehören zu den häufigsten Diagnosen beim Reitpferd. Hufrollensyndrom, Spat sowie Arthrosen weiterer Gelenke gelten als fortschreitend und nicht heilbar.


Die therapeutischen Möglichkeiten zur Linderung der Beschwerden sind vielfältig. Ein langfristiger Erfolg bleibt dennoch oft aus.


Warum?


Schulmedizinische Sicht: viele Ursachen, viele Maßnahmen


Aus schulmedizinischer Perspektive werden degenerative Erkrankungen unter anderem in Zusammenhang gebracht mit:


  • genetischer Disposition

  • Fehlstellungen und ungünstiger Hufbalance

  • andauernder Überlastung

  • asymmetrischer Belastung

  • altersbedingten Veränderungen

  • entzündlichen Prozessen

  • strukturellen Veränderungen von Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern


Entsprechend breit ist das therapeutische Spektrum:


  • entzündungshemmende Medikamente

  • Injektionen (z. B. Kortison, Hyaluronsäure)

  • orthopädischer Beschlag

  • Physiotherapie und Osteopathie

  • Stoßwellen- oder Lasertherapie

  • Trainingsreduktion oder Schonung


Diese Maßnahmen können Symptome lindern – teilweise sehr effektiv. Was sie jedoch meist nicht leisten: eine nachhaltige Veränderung der Belastungssituation, aus der die Erkrankung überhaupt entstanden ist.


Warum Symptome selten isoliert entstehen, wird verständlicher, wenn man den Körper als vernetztes System betrachtet. Mehr dazu im Artikel über Tensegrität beim Pferd – funktionelle Anatomie verstehen.


Der Denkfehler: Struktur behandeln, Bewegung übersehen


Moderne Betrachtungen zeigen, dass viele degenerative Erkrankungen nicht primär als lokale Strukturschäden zu verstehen sind, sondern als das Resultat dauerhaft ungünstiger Bewegungsabläufe.


Weshalb tatsächliche Lahmheiten deshalb oft bereits Jahre vor dem Auftreten erster Symptome entstehen, habe ich in diesem Artikel näher erläutert.


Entscheidend ist letztlich nicht der einzelne Befund, sondern die Frage, wie Kräfte im Körper des Pferdes entstehen, aufgenommen und verarbeitet werden – bei jedem Schritt, über Jahre hinweg.


Hufrollensyndrom: wenn sich der Bewegungsablauf im entscheidenden Moment verschiebt


Probleme im Bereich der Hufrolle sind in der Regel nicht als isolierte Erkrankung der Struktur allein zu betrachten, sondern als langfristige Folge einer kinematischen Abweichung im Bewegungsablauf.


Im letzten Abschnitt der Stützbeinphase – wenn das jeweilige Vorderbein die maximale Last trägt – richtet sich das Röhrbein normalerweise auf. Der Fesseltragapparat federt, der Fesselkopf hebt und der Winkel zwischen Röhrbein und Fessel öffnet sich. So können die einwirkenden Kräfte elastisch aufgenommen und für den nächsten Schritt umgewandelt werden.


Bei Pferden mit Hufrollensyndrom zeigt sich jedoch oft ein anderes Bild: Während die Belastung bereits maximal ist, rotiert das Röhrbein weiter nach vorne, anstatt sich aufzurichten. Der Winkel zwischen Röhrbein und Fessel öffnet sich nicht ausreichend.


Die mechanische Folge ist gravierend:


  • die knöcherne Säule des Vorderbeins drückt verstärkt nach unten

  • gleichzeitig verstärkt die Vorwärtsbewegung der oberen Gliedmaße den Zug auf die tiefe Beugesehne


Diese Kombination aus Druck und Zug belastet nicht nur das Strahlbein selbst, sondern auch die umgebenden Weichteilstrukturen dauerhaft.


Die Ursache dieser pathologischen Bewegung ist bei jedem betroffenen Pferden eine andere. Sie liegt jedoch nicht im Hufrollenapparat selbst, sondern in der fehlerhaften Koordination der Bewegung, die das Vorderbein kurz vor dem Abfußen in eine ungünstige Position zwingt.


Wo diese kinematische Abweichung korrigiert werden kann, ist auch eine Rückkehr zur Lahmfreiheit möglich – nicht durch lokale Maßnahmen am Huf, sondern durch die nachhaltige Veränderung des Bewegungsablaufs.


Spat – Sprunggelenksarthrose als Ausdruck von Kompensation


Bei Spat handelt es sich um eine degenerative Veränderung des Sprunggelenks. Auch diese ist für gewöhnlich kein isoliertes Gelenkproblem, sondern eine Folge pathologischer Koordination des Pferdekörpers.


Ist die Balance des Pferdes gestört – etwa durch gegenläufige Rotation im Rumpf –, wird die Hinterhand gezwungen, diese Defizite auszugleichen. Knie-, Sprung-, Fessel-, Kron- und Hufgelenk beschreiben dabei in jedem Schritt kompensatorische Ausweichbewegungen, für die sie eigentlich nicht ausgelegt sind.


Die Folge:


  • ungleichmäßige Druckverhältnisse und dauerhafte Überlastung der Gelenke

  • chronische Reizung von Knorpel und Knochen

  • langfristige arthrotische Veränderungen wie beispielsweise Spat


Auch hier gilt: Nicht das Gelenk an sich ist das Problem. Es reagiert lediglich auf Kräfte, die es dauerhaft überfordern.


Warum Therapie allein nicht ausreicht


Therapeutische Maßnahmen können:


  • Schmerzen lindern

  • Entzündungen reduzieren

  • Beweglichkeit kurzfristig verbessern


Was sie nicht können: die Art und Weise, wie das Pferd sich alltäglich bewegt, verbessern. Bleibt die Balance unverändert, wirken dieselben Kräfte weiterhin auf dieselben Strukturen. Und die Therapie behandelt bloß die Folgen – nicht den Ursprung.


Grundlegend zur Frage, was Rehabilitation im Körper wirklich leisten muss, findest du hier eine ausführliche Einordnung: Rehabilitation beim Pferd – warum Therapie mehr ist als Behandlung.


Der entscheidende Ansatz: Bewegung neu erlernen


Nachhaltige Rehabilitation setzt dort an, wo Belastung entsteht: in der Bewegung selbst.


Das bedeutet:


  • individuell angepasstes, bewusstes Training

  • Arbeit an funktioneller Balance

  • Reduktion kompensatorischer Muster

  • Entwicklung einer guten Koordination


Je nach Schwere des Befunds kann dies zu einer deutlichen Entlastung, Stabilisierung oder sogar funktionellen Verbesserung führen. Nicht durch immer neue Maßnahmen, stattdessen durch eine andere Art, Bewegung zu verstehen und zu begleiten.


Aus diesem Grund kann insbesondere ein Pferd mit chronischer Lahmheit von einem angepassten, schonenden Reha-Training profitieren. Vertiefende Gedanken hierzu findest du im Artikel Lahmes Pferd: Pause, Bewegung, Training? Worauf es wirklich ankommt.


Fazit


Degenerative Erkrankungen entstehen nicht plötzlich und sie verschwinden auch nicht einfach wieder durch einzelne Behandlungen. Wer langfristig etwas verändern möchte, muss den Blick vom Befund lösen – und sich der Bewegung zuwenden, aus der er entstanden ist.


Nicht als Ersatz für Therapie, sondern als ihre notwendige Grundlage.


Wenn du genau diese Zusammenhänge bei deinem eigenen Pferd erkennen und im Training umsetzen möchtest, findest du hier mehr über meine Arbeitsweise.

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