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Der Rumpftrageapparat

  • Autorenbild: Beate
    Beate
  • 25. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Dez. 2025


Grundlage für Balance und Tragfähigkeit


Der Rumpftrageapparat ist kein Spezialkapitel für Anatomieinteressierte. Er ist die Grundlage dafür, wie ein Pferd seinen Körper koordiniert, und somit ein absolut zentrales Thema für jeden Reiter.


Ob ein Pferd tragfähig arbeitet oder Überforderung kompensiert, entscheidet sich nicht in einzelnen Lektionen, sondern in der Art und Weise, wie der Rumpf zwischen den Vordergliedmaßen stabilisiert wird.


Tragen statt Stützen


Der Brustkorb des Pferdes ist nicht knöchern abgestützt. Er hängt zwischen den Vordergliedmaßen – getragen von Muskeln und Faszien. Diese Aufhängung arbeitet permanent. Im Stand, in Schritt, Trab und Galopp – und besonders unter dem Reiter. Der Rumpftrageapparat reguliert dabei nicht nur, ob der Brustkorb getragen wird, sondern wie: in welcher Höhe, mit welcher Stabilität, in welcher Balance.


Organisation vor Kraft


Die Hinterhand erzeugt Vortrieb. Doch Vortrieb allein erzeugt keine Balance. Ob diese Kraft in Tragfähigkeit umgewandelt werden kann oder zu Ausweichbewegungen führt, hängt davon ab, ob der Rumpf sie aufnehmen und weiterleiten kann.


Ist die Aufhängung (einseitig) instabil oder kollabiert, entsteht keine Selbsthaltung – sondern Kompensation. Mehr Schub verstärkt dann nicht die Tragfähigkeit, sondern die Belastung.


Die Rolle der Vorderhand


Die Vordergliedmaßen tragen nicht einfach Gewicht. Sie steuern Balance, nehmen Kräfte auf und nutzen diese für die weitere Bewegung.


Der Brustkorb folgt der Organisation zwischen den Schultern. Ist er dort nicht zentriert, kann das Pferd nicht gerade, nicht ausbalanciert und nicht gleichmäßig arbeiten – unabhängig davon, wie aktiv die Hinterhand ist. Geraderichtung beginnt nicht hinten. Sie entsteht dort, wo der Rumpf stabil aufgehängt sein muss.


Wenn die Hinterhand kompensiert


Viele Auffälligkeiten, die der Hinterhand zugeschrieben werden, sind in Wahrheit Folgen einer instabilen Rumpfaufhängung:


  • ungleichmäßiges Abfußen

  • Schwierigkeiten in der Biegung

  • Taktunreinheiten

  • Überlastung in LSG und ISG


Die Hinterhand reagiert auf das System, in dem sie eingebunden ist. Sie erzeugt diese Muster nicht – oft gleicht sie vielmehr andere Muster aus. Erst wenn der Rumpf stabil und mittig getragen wird, kann Kraft gleichmäßig und ohne Spannung durch den Körper fließen.


Bedeutung für Ausbildung und Reha


Ein funktionierender Rumpftrageapparat ist Voraussetzung für:


  • echte Selbsthaltung

  • langfristige Tragfähigkeit

  • Gesundheit unter sportlichen Ansprüchen

  • Schutz von Sehnen und Gelenken


In der Ausbildung bedeutet das: Balance und Koordination gehen vor Kraft. In der Rehabilitation bedeutet es: Behandlung ohne funktionelle Bewegung greift zu kurz.


Der Rumpftrageapparat ist folglich kein spannendes Detail, sondern eine zentrale Verbindung zwischen Vorder- und Hinterhand, zwischen Balance und Belastung.


Wer mit Training und Therapie hier ansetzt, arbeitet an der Grundlage von gesunder Bewegung. Deshalb bilden diese Zusammenhänge einen wichtigen Bestandteil meiner Arbeitsweise und prägen, wie ich Ausbildung und Rehabilitation denke.


Warum dieses Wissen kein Bruch mit Tradition ist, sondern vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung, habe ich in einem separaten Artikel näher ausgeführt.

 
 

©2025 Fokus Pferd - Beate Möller

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