Reite das Pferd, auf dem du sitzt – und nicht das, auf dem du gern sitzen würdest!
- Beate

- 25. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025
Mal ehrlich: Sitzt du manchmal auf deinem Pferd und ärgerst dich, dass es gerade nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast?
Vielleicht hast du in diesem Moment ein Bild vor Augen. Von der letzten Einheit, in der sich alles leicht angefühlt hat. Oder von einem Video eines bekannten Trainers, das du kürzlich gesehen hast. Von einer Bewegung, einer Haltung, einer Idee davon, wie es aussehen sollte.
Um es auf den Punkt zu bringen: Du versuchst, deine Vorstellung zu reiten – nicht das Pferd unter deinem Sattel.
Zwischen Bild und Wirklichkeit
Dieses innere Bild ist nicht per se falsch. Es wird jedoch problematisch, wenn es wichtiger wird als das, was das Pferd in diesem Moment leisten kann. Denn jedes Pferd bringt etwas anderes mit: eine andere Tagesform, einen anderen Körper, eine andere Geschichte.
Ein Jungpferd, das seine ersten Runden an der Longe dreht, ein ehemaliges Sportpferd mit ausheilender Sehnenverletzung, ein älteres Pferd mit arthrotischen Veränderungen – sie alle brauchen etwas anderes.
Was sie alle nicht brauchen, ist der Versuch, in eine imaginäre Schablone gepresst zu werden.
Unser Ego ist kein guter Berater
Die Arbeit mit dem Pferd hat nichts mit persönlichem Ehrgeiz, Erwartungen oder Außenwirkung zu tun. Nichts mit dem, was wir erreichen oder darstellen wollen – sondern mit dem, was dem Pferd in diesem Moment möglich ist und was es zur Unterstützung von uns benötigt.
Sobald wir beginnen, unsere eigenen Vorstellungen über das Pferd zu stellen,verlieren wir den gemeinsamen Dialog. Das Pferd sollte nicht auf unrealistische Bilder, Ziele oder innere Ansprüche reagieren müssen. Es muss sich schließlich gleichzeitig mit den Kräften auseinandersetzen, die in ihm selbst und auch von außen auf seinen Körper einwirken.
Wo diese Ebenen nicht zusammenpassen, entsteht kein Lernen, sondern Kompensation.
Dem Pferd gerecht werden
Dem Pferd gerecht zu werden heißt, den aktuellen Zustand anzunehmen: körperlich, mental und funktionell. Nicht stehen zu bleiben. Aber auch nicht einfach über die Grenzen des Pferdes hinwegzugehen.
Gerade im Zusammenhang mit Ausbildung, Rehabilitation oder altersbedingten Veränderungen entscheidet diese Haltung darüber, ob Training Probleme schafft - oder sie lösen kann.
Ansatz statt Anspruch
In meinem Ansatz steht nicht die äußere Form im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit des Pferdes, sich koordiniert und ausbalanciert zu bewegen.
Das setzt voraus, dass wir bereit sind, uns genau und ausschließlich dem Pferd zuzuwenden, das wir heute unter, vor oder neben uns haben – nicht dem, das wir gestern hatten oder morgen gern hätten.
Denn Entwicklung beginnt dort, wo wir nicht mehr etwas erreichen wollen, sondern verstehen, was gerade möglich ist. In meiner praktischen Arbeit begleite ich Mensch und Pferd dabei, genau diesen Perspektivwechsel im Alltag umzusetzen.


