Bewegungsgefühl zeigt sich nicht erst in der Piaffe
- Beate

- 24. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Bewegungsgefühl zählt nicht erst in anspruchsvollen Lektionen. Es zeigt sich in den unscheinbaren Momenten – im Training ebenso wie außerhalb davon. Darin, ob ein Pferd seinen Körper in Balance organisieren kann: mit funktionell aufgerichteter Vorhand und stabilem, tragfähigem Rumpf.
Anhalten – Organisation im Stillstand
Wie stellt sich dein Pferd hin – wenn du es beim Reiten oder an der Longe anhältst? Oder wenn es auf dem Weg zur Wiese stehen bleibt?
Ist der Rumpf aktiv angehoben oder steht er tief zwischen den Schulterblättern? Bleiben Widerrist und Halsbasis mittig zwischen den Schulterblättern – oder weicht das Pferd zu einer Seite aus? Wie positioniert es Vorder- und Hinterbeine – lotrecht unter dem Körper oder sichtbar vor- oder zurückgestellt?
Solche Momente sind keine Nebensache. Sie geben Aufschluss über das Körpergefühl des Pferdes und zeigen, wie es sich selbst organisiert.
Der erste Schritt – Balance in Bewegung bringen
Wie tritt das Pferd wieder an – in der Reitbahn, beim Spaziergang oder auf der Koppel?
Trägt es seinen Rumpf aktiv und setzt sich mit angehobener Halsbasis in Bewegung? Oder schiebt es sich zunächst weit über ein rückständiges Vorderbein, um überhaupt in Gang zu kommen?
Der erste Schritt ist oft ehrlicher als jede Lektion. Hier zeigt sich, welches Verständnis von Balance das Pferd selbst hat.
Wendungen – Biegung und Rotation im Alltag
Und was passiert in Wendungen? Kann das Pferd auf einer gebogenen Linie Biegung und Rotation durch den gesamten Körper koordinieren?
Und wie wendet es auf engem Raum – etwa am Putzplatz oder an der Heuraufe? Bleibt die Bewegung fließend und koordiniert? Oder weicht das Pferd mit Wirbelsäule, Schultern oder Kruppe aus?
Training wirkt über die Trainingszeit hinaus
Gesunde Bewegung, Balance sowie eine effiziente Organisation von Kräften im Körper sind nicht nur im Training relevant.
Wir verbringen vielleicht sechzig Minuten am Tag mit gezielter Arbeit. Die übrigen Stunden bewegt sich das Pferd frei.
Wenn Training wirklich sinnvoll ist, verbessert es nicht nur die Lektion, an der wir derzeit vielleicht arbeiten – sondern auch die Art, wie sich das Pferd insgesamt trägt, bewegt und organisiert.
Denn Training bedeutet nicht, Bewegungen zu formen. Es bedeutet, die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich ein Pferd selbst besser koordinieren kann.
Mehr zu dem Thema, was gesundes Pferdetraining im Körper wirklich leisten sollte, findest du in diesem Artikel.
Wahrnehmung als Grundlage
Bewegungsqualität zeigt sich nicht im Anspruch einer kurzen Aufgabenstellung im Dressurviereck. Stattdessen zeigt es sich in der Selbstverständlichkeit, mit der ein Pferd sich durch seinen Alltag bewegt.
Wer lernt, diese kleinen Momente zu lesen, verändert sein Training. Nicht durch mehr Einwirkung – sondern durch mehr Verständnis.
Genau dort setzt auch meine Arbeit im Bereich Training und Rehabilitation an: nicht bei einzelnen Lektionen oder äußeren Formen, sondern bei der Frage, wie Pferd und Reiter gemeinsam ein besseres Verständnis für Balance, Bewegungsqualität und funktionelle Zusammenhänge entwickeln können.


