Immer wieder lahm – und dann? Maranellos Weg zurück zur Freude an Bewegung

Konstanzes Erfahrungsbericht:
"Mein Araberwallach Maranello begleitet mich seit seinem Jungpferdealter. Heute ist er 9 Jahre alt.
Ich habe ihn selbst ausgebildet, ihm immer viel Zeit gelassen und großen Wert darauf gelegt, ihn pferdegerecht und abwechslungsreich zu arbeiten. Druck oder starre Ausbildungsziele gab es bei uns nie. Umso frustrierender war es, als wir vor einigen Monaten plötzlich vor einem Problem standen, für das ich keine richtige Erklärung fand.
Maranello zeigte immer wieder Lahmheiten hinten rechts.
Mal lief er einige Zeit unauffällig, dann tauchten die Probleme erneut auf. Bei der Arbeit war er teils unwillig. Das zeigte sich sowohl in der Handarbeit als auch unter dem Sattel.
Es folgte eine ausführliche tierärztliche Diagnostik inklusive Röntgen, KI-gestützter Analyse der Hufbelastung und vielem mehr.
Die Röntgenaufnahmen des betroffenen Hinterbeins zeigten keinen eindeutigen Befund, ebenso die weiteren Untersuchungen. Die behandelnde Tierärztin vermutete allerdings Veränderungen im Bereich des Iliosakralgelenks. Zusätzlich reagierte Maranello schmerzhaft im Bereich des Fesselträgers.
Die Empfehlung lautete deshalb zunächst: Schonung. Kein Reiten, möglichst wenig Belastung und stattdessen Zeit, damit die betroffenen Strukturen sich erholen konnten.
Grundsätzlich erschienen mir Diagnose und Behandlung nachvollziehbar. Gleichzeitig blieb für mich aber die zentrale Frage unbeantwortet: Warum zeigt ein umsichtig ausgebildet und gearbeitetes Pferd in stets artgerechter Haltung mit viel freier Bewegung diese Probleme?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass ich zwar eine Diagnose erhalten, die eigentliche Ursache aber noch nicht verstanden hatte.
Und jetzt? Weitere Diagnostik? Ein halbes Jahr Koppelpause und Spaziergänge? Oder doch ein angepasstes Rehatraining?
Im Onlineunterricht mit Beate haben wir uns mit dieser Frage beschäftigt.
Anstatt darüber nachzudenken, wie wir Bewegung reduzieren könnten, haben wir zunächst analysiert, wie sich Maranello eigentlich bewegt.
Gemeinsam beobachteten wir seine Bewegungsmuster und die Ausweichstrategien, die er schon über längere Zeit entwickelt hatte.
So stand nicht mehr die Frage im Mittelpunkt, welche Struktur gerade schmerzhaft war, sondern warum der Körper stellenweise überhaupt dauerhaft überlastet worden war.
Auf dieser Grundlage entstand ein individuelles Rehaprogramm.
Über mehrere Wochen arbeiteten Maranello und ich ausschließlich im Schritt an der Hand – mit geringer Belastung, aber mit klarem Fokus. Ziel war es nicht, ihn mittels Hilfen in eine bestimmte Haltung zu bringen. Stattdessen erhielt er immer wieder kleine Impulse, die ihm neue Bewegungsmöglichkeiten eröffneten und sein Körpergefühl veränderten.
Was mich dabei besonders überrascht hat:
Maranello legte sein Abwehrverhalten erstaunlich schnell ab.
Viele Reaktionen, die ich über längere Zeit als Unwilligkeit oder Widerstand wahrgenommen hatte, wurden zunehmend seltener. Stattdessen begann er, sich auf die Arbeit einzulassen, genauer hinzuspüren und neue Bewegungen auszuprobieren.
Es wirkte fast so, als hätte er endlich eine Alternative zu seinen bisherigen Strategien gefunden.
Mittlerweile konnten wir die Handarbeit schrittweise erweitern.
Es kamen erste Longeneinheiten auch im Trab hinzu und inzwischen sitze ich für Schrittarbeit auch wieder vorsichtig im Sattel.
Natürlich ist noch nicht alles perfekt. Die Kompensationsmuster, die sich über Jahre entwickelt haben, verschwinden nicht innerhalb weniger Wochen.
Trotzdem hat sich in der kurzen Zeit schon unglaublich viel verändert.
Maranello bewegt sich heute deutlich balancierter. Er übernimmt immer mehr Eigeninitiative und sucht zunehmend selbst nach Möglichkeiten, seinen Körper besser zu organisieren.
Mindestens genauso wertvoll ist für mich aber etwas anderes:
Ich habe gelernt, die Beschwerden meines Pferdes aus einer völlig neuen Perspektive zu betrachten.
Früher habe ich vor allem nach dem Befund gesucht. Heute interessiert mich ebenso, welche Bewegungsmuster dahinterstehen und was mein Pferd mir mit seinem Verhalten eigentlich zeigen möchte.
Diese Erfahrung hat mir nicht nur mehr Sicherheit im Umgang mit Maranellos Problemen gegeben, sondern auch viel Gelassenheit – nachdem die Lahmheit eingangs ein wirklicher Schock war und mich sehr frustrierte.
Denn statt ständig nach der nächsten Lahmheit zu suchen, habe ich heute das Gefühl, gemeinsam mit meinem Pferd an den Ursachen zu arbeiten. Schritt für Schritt und mit Blick auf das große Ganze, in der Hoffnung, dass wir mit viel Zeit und Geduld Maranellos Probleme vollständig überwinden können."


