top of page

Das nervöse Pferd – wenn das Nervensystem nicht zur Ruhe kommt

  • Autorenbild: Beate
    Beate
  • 25. März
  • 2 Min. Lesezeit

Ein Rascheln im Gebüsch. Ein Schatten in der Halle. Ein ungewohntes Geräusch.


Das Pferd hebt den Kopf, spannt sich an – bereit zur Flucht.


Der Fluchtinstinkt ist tief im Wesen des Pferdes verankert. Auch Domestikation ändert daran nichts. Wachsamkeit ist kein Trainingsproblem, sondern Überlebensbiologie.


Und doch gibt es Pferde, die scheinbar nie wirklich herunterfahren. Die hinter jedem Busch einen Berglöwen vermuten. Die auch im Training dauerhaft „unter Strom“ wirken.


Hier lohnt sich ein genauerer Blick.


Wenn Alarmbereitschaft zum Dauerzustand wird


Ein gesund reguliertes Nervensystem kann zwischen Aktivierung und Entspannung wechseln, zwischen Sympathikus (Leistungs- und Fluchtbereitschaft) und Parasympathikus (Ruhe und Regeneration).


Bei manchen Pferden scheint dieser Wechsel kaum möglich. Die sympathische Aktivierung bleibt erhöht. Der Körper steht unter permanenter Grundspannung.


Solche Pferde wirken nervös, schreckhaft, unkonzentriert. Manchmal explosiv. Manchmal innerlich nie ganz anwesend.


Doch nicht immer ist das eine Frage des Temperaments.


Wenn der Körper sich unsicher fühlt


Ein Pferd, das sich körperlich nicht stabil organisieren kann, fühlt sich unsicher.


Vielleicht liegt ein grundlegendes Problem im Bewegungsapparat vor – eine Einschränkung im Rumpftrageapparat, eine dauerhaft tiefgehaltene Halsbasis, fehlende Koordination in Rotation und Biegung, ein Ungleichgewicht, das unbewusst kompensiert werden muss.


Nicht selten kommen degenerative Veränderungen hinzu, die schmerzhaft sein können und die innere Unsicherheit des Pferdes zusätzlich verstärken.


Wenn ein Körper nicht effizient Kräfte verwalten kann, entsteht ein Gefühl von Instabilität. Und Instabilität bedeutet für ein Fluchttier: potenzielle Lebensgefahr.


Manche Pferde kompensieren das durch erhöhte Wachsamkeit. Sie sind schneller bereit zu reagieren, schneller bereit zu fliehen.


Nicht aus „Ungehorsam“. Sondern aus einem inneren Bedürfnis nach Sicherheit.


Der Teufelskreis aus Anspannung und Kontrolle


Oft wird dann versucht, mit Schrecktraining, Entspannungsübungen oder mehr Kontrolle gegenzusteuern.


Manche dieser Maßnahmen können sinnvoll sein.


Doch wenn das zugrunde liegende körperliche Problem bestehen bleibt, verändert sich die Grundspannung kaum.


Das Pferd lernt vielleicht, still zu stehen. Aber es fühlt sich nicht sicherer.


Rehabilitation bedeutet auch nervliche Regulation


Nachhaltiges, gesundes Pferdetraining wirkt auf mehreren Ebenen.


Es verbessert nicht nur die äußere Bewegung, sondern die innere Organisation des Körpers.


Wenn der Rumpf tragfähiger wird, wenn Kräfte effizienter verteilt werden, wenn Balance nicht erzwungen, sondern ermöglicht wird, verändert sich auch das Empfinden von Sicherheit.


Ein Pferd, das sich körperlich kompetent fühlt, muss weniger in Alarmbereitschaft bleiben.


Training wird dann nicht zum Ort der Kontrolle, sondern zum Raum für Selbstwirksamkeit.


Weshalb Rehabilitation also zwangsläufig immer so viel mehr ist als bloße Behandlung, liest du in meinem Beitrag hier.


Selbstvertrauen ist körperlich spürbar


Manche Pferde wirken nervös, weil sie sich in ihrem Körper nicht gut aufgehoben fühlen.


Wenn wir beginnen, Ursachen im Bewegungsmanagement zu verändern, geben wir mehr zurück als nur funktionelle Verbesserung.


Wir geben Stabilität. Orientierung. Selbstvertrauen.


Und manchmal wird aus dem „schwierigen“ Pferd ein Pferd, das einfach nur lange versucht hat, sich sicher zu fühlen.

bottom of page