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Reiter wollen nicht die Wahrheit

  • Autorenbild: Beate
    Beate
  • 18. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Viele Trainingsprobleme entstehen nicht im Körper des Pferdes. Sie entstehen in unserer Haltung.


Nicht in der äußeren – sondern in der inneren.


Wir alle haben Bilder im Kopf. Wie ein Pferd aussehen sollte. Wie es sich bewegen und sich anfühlen sollte. Wie weit wir selbst „eigentlich“ im Training sein müssten.


Diese Bilder sind selten neutral. Sie sind geprägt von Vorbildern, sozialen Dynamiken, Erwartungsdruck – und oft auch vom eigenen Anspruch.


Und genau hier beginnt das Problem.


Das Pferd darf nicht zeigen, wo es steht – weil wir selbst nicht zeigen wollen, wo wir stehen.


Ein Pferd, das beim Anhalten nicht in seiner Mitte bleibt, zeigt etwas. Ein Pferd, das beim Losgehen zunächst auf die Vorhand fällt, zeigt etwas. Ein Pferd, das sich in Wendungen festhält oder ausweicht, zeigt etwas.


Diese Momente sind keine Fehler oder Schwachpunkte. Sie sind wertvolle Informationen.


Doch statt sie zu lesen, korrigieren wir häufig sofort. Wir greifen ein, bevor wir verstanden haben. Wir fassen nach, bevor wir analysiert haben.


Wir „machen es passend“, damit das Bild stimmt.


Nicht mit böser Intention. Sondern weil es uns unangenehm ist, sichtbar werden zu lassen, dass etwas noch nicht im Gleichgewicht ist.


Ehrlichkeit bedeutet, das Ist zu akzeptieren


Wer nachhaltig arbeiten will – im Training wie in der Rehabilitation – muss den aktuellen Zustand anerkennen.


Das gilt beispielsweise für:


Ein Pferd kann sich nur dort weiterentwickeln, wo wir bereit sind hinzusehen.


Genau darum geht es auch im Artikel Bewegungsgefühl zeigt sich nicht erst in der Piaffe“. Dort beschreibe ich, wie sich Organisation bereits im Kleinen, im Anhalten, Losgehen und in Wendungen zeigt.


Kaschieren verhindert Entwicklung


Wenn ein Pferd sich dauerhaft festhält, eilig wird oder sich auf die Hand stützt, ist das kein Zeichen für fehlendes Engagement.


Oft ist es Ausdruck eines Systems, das sich noch nicht effizient organisiert.


Wer hier ausschließlich reguliert – über verhaltende oder treibende Hilfen und sonstige äußerlich fokussierte Korrekturen – überdeckt möglicherweise ein strukturelles Problem.


Im Artikel „Das nervöse Pferd“ gehe ich darauf ein, wie körperliche Einschränkungen das Nervensystem beeinflussen können.


Ehrlichkeit bedeutet hier nicht, das Pferd zu bewerten. Sondern Zusammenhänge in der Tiefe zu erkennen.


Warum Ehrlichkeit so schwer ist


Ehrlichkeit konfrontiert uns mit unserem eigenen Anspruch. Und unserer Fehlbarkeit!


Vielleicht ist unser Pferd noch nicht tragfähig genug. Vielleicht sind wir selbst noch nicht fein oder abgestimmt genug in unserer Wahrnehmung. Vielleicht braucht der Prozess mehr Zeit.


Das anzuerkennen fühlt sich zunächst wie Rückschritt an. In Wirklichkeit ist es aber überhaupt die Voraussetzung für Fortschritt.


Rehabilitation – im eigentlichen Sinn – ist keine Reparatur, sondern Neuorganisation. Und Neuorganisation beginnt nur dort, wo das System ehrlich betrachtet wird.


Entwicklung braucht eine weiche innere Haltung


Eine konstruktive Trainingshaltung bedeutet:


Alles darf sich zeigen.


Nicht, damit es so bleibt. Sondern damit wir erkennen können, wie das Pferd sich aktuell selbst organisiert.


Erst wenn wir das verstehen, können wir gezielt Einfluss nehmen – nicht kontrollierend, sondern unterstützend.


Was gesundes Training im Kern ausmacht, habe ich hier zusammengefasst: „Was gutes Pferdetraining im Körper leisten muss“.


Fazit


Entwicklung beginnt immer mit einer realistischen Bestandsaufnahme.


Wer Probleme kaschiert, schraubt von außen am Symptom. Wer hinsieht, begreift die eigentliche Ursache im Kern.


Und erst dort beginnt nachhaltige Entwicklung.

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